... Weinjahrgänge
Weinorte

Erfreulich positiver Trend

Von existentieller Bedeutung für den Winzer, wichtig und interessant für den Weinfreund ist die Qualität der Weinjahrgänge. Sie wird vor allem in den nördlichen Anbaugebieten nicht unwesentlich vom Mostgewicht der Trauben (Maßeinheit: Grad Öchsle) bestimmt, wenn auch weitere Extraktstoffe (Säuren, Glycerin sowie die nur in kleinen Mengen vorhandenen Phenole, Pektine, Proteine und Mineralien), die sich nur bei einem günstigen Witterungsverlauf optimal bilden, eine ebenso wichtige Rolle spielen.

Öchsle-Spiegel

Das Diagramm beruht auf den gewichteten Durchschnittswerten der Ahrwinzer e.G., die die grösste Anzahl von Winzern der Ahr mit repräsentativen Anbauflächen von Mayschoß bis Heimersheim vereint. Aus den gewichteten Durchschnittswerten der einzelnen Rebsorten wurde jeweils für die roten (Früh- und Spätburgunder) und weißen (Riesling und Müller-Thurgau) Hauptrebsorten der einfache Mittelwert gebildet.

Ein Vergleich der Kurvenverläufe lässt unter Berücksichtigung weiterer Faktoren (Menge, Extrakte, Säurewerte, etc.) auf die Qualität der Weinjahrgänge schliessen. Der Trend zeigt seit Jahren eindeutig nach oben.

 

Bewertung Ahr
Jahr Punkte Qualität
2016 18 sehr gut
2015 16 gut
2014 15 gut
2013 17 gut-sehr gut
2012 20 herausragend
2011 20 herausragend
2010 15 gut
2009 20 herausragend
2008 17 gut-sehr gut
2007 17 gut-sehr gut
2006 20 herausragend
2005 17 gut-sehr gut
2004 18 sehr gut
2003 19 sehr gut
2002 16 gut
2001 20 herausragend
2000 15 gut
1999 18 sehr gut
1998 14 gut
1997 18 sehr gut
1996 14 gut
1995 15 gut
1994 15 gut
1993 15 gut
1992 12 mittel
1991 11 gering
1990 14 mittel-gut
Ältere, bessere Jahrgänge
1979 19 sehr gut
1976 20 herausragend
1975 19 sehr gut
1971 19 sehr gut

Bewertung der Jahrgänge

2016 ... , ein Jahr der Extreme mit sehr gutem Ausgang. Einer naßkalten Phase im Juni folgte Sonne pur ab Anfang September. Das sonnige Wetter mit angenehm kühlen Nächten sorgte für gesunde Trauben mit guter Aromaausprägung, angenehmer Säure und hohen Extraktwerten vor allem bei den Rotweinen.

2015 ... , für die Ahr ein Spätburgunder – Jahr. Ein vielversprechender Beginn mit einer Trockenphase in der ersten Hälfte des Vegetationszeitraumes, unterbrochen immer wieder durch ausreichend Regentage (vor allem im Juni), dem ein zwar warmer aber nasser August und ein zu nasser und kalter September in der wichtigen Reifephase folgte. Ein zu kühler Oktober reichte nur für ein gutes Jahr, in dem die Hauptrebsorte der Ahr, der Spätburgunder (63%) gegenüber dem Frühburgunder (6,5%) auf Grund der durchschnittlich höheren Mostgewichte ansprechender ausfallen dürfte. Weitestgehend gesundes Lesegut mit guten Extrakt- und Säurewerten und einer um ca. 10 – 15% geringeren Menge dürften vor allem beim Spätburgunder doch recht gute Weine ergeben.

2014 ... , ein anfangs verheißungsvoller, dann aber doch schwieriger und selektiver Jahrgang mit einem Überraschungsgast, der Kirschessigfliege, Kirschessigfliege die teilweise insbesondere beim Frühburgunder deutliche Schäden anrichtete.
Ein wiederum früher Austrieb brachte bis Mitte des Jahres ein Vegetationsvorsprung von bis zu 3 Wochen. Doch der regnerische Sommer, insbesondere der nasskalte August machten diesen Vorsprung fast zu Nichte, und in Verbindung mit einem unbeständigen Herbstwetter wurde es ein schwieriges und selektives Jahr.
Die Menge und die Extrakte stimmen, bei den Mostgewichten müssen sich Winzer und Weinfreunde mit guten Basisweinen zufrieden geben.

2013 ... , ein wechselhafter, schwieriger und doch noch guter bis sehr guter Jahrgang.
Der lange Winter bis in den April hinein, Spätfrostschäden in den Tallagen zwischen Dernau und Rech (Einbußen bis zu 70 %) und Starkregen während der Blütephase in der oberen Weinbauregion mit vereinzelt auftretenden Hagelschäden (Dernauer Goldkaul) stimmten den Winzer nicht gerade hoffungsvoll. Doch angenehme Sommertage im Juli, August bis in den September hinein mit wenig Niederschlag machten den ca. 2-wöchigen Vegetationsrückstand fast wieder weg. Das wechselhafte Herbstwetter im Oktober gestaltete die Weinlese nicht nur schwierig, sondern erforderte wegen  Fäulnisschäden eine selektive Lese und verhinderte letztlich einen weiteren hervorragenden Jahrgang. Trotz einer um ca. 25 % reduzierten Erntemenge (in Teilbereichen höher) kann der Winzer zufrieden sein, sind doch noch überraschend gute Reifegrade erreicht worden. Ein Jahrgang der zwar nicht an die herausragenden Jahrgänge 2011 und 2012 heranreicht, aber dank guter Extrakte mit den Jahrgängen 2004 und 2007 gleichzusetzen ist.

2012 ... , ein Weinjahrgang besser als der gefühlte Sommer. Das ungünstige Wetter während der Traubenblüte sorgte für eine um bis zu 50 % (Durchschnitt 30 %) reduzierte Menge. Die Qualität der Trauben ist umso überzeugender. Der Winzer sieht es mit einem weinenden Auge. Für den Weinfreund ein auf Grund der zu erwartender hohen Extrakte weiterer, qualitativ herausragender Jahrgang an der Ahr.

2011 ... , ein Jahr mit einem rekordverdächtig frühen Austrieb der Reben, langem, wenn auch wechselhaftem Vegetationsverlauf und zum Abschluss ein Bilderbuchherbst brachte vollreifes und gesundes Lesegut auf die Kelter. Aus der Erfahrung des Jahres 2003 wurde die Lese von den Winzern zur Vermeidung von Überreife vorgezogen und wohl dosiert. Ein weiterer hervorragender, voller Jahrgang, der an 2009 heranreicht.

2010 ... , ein Jahr, das sich zu den Jahrgängen 2000 und 2002 gesellen muss, ... ein Jahr der guten Grundweine. Spitzenweine bietet das Jahr 2009.

2009 ... , eines der wärmsten Jahre im langjährigen Mittel brachte, gepaart mit einer langen Vegetationszeit, gesundes Lesegut in die Weinkeller. Dem Vergleich mit 2006 halten die Weine auf Grund einer um ca. 30% reduzierten Menge gegenüber 2006 auf jeden Fall stand. In der Nachbetrachtung einer der besten Jahrgänge an der Ahr.

2008 ... , eine lange Vegetationszeit und gesundes Lesegut sorgten für gut strukturierte Weine.

2007 ... , Jahrgang mit ca. 2 Wochen verkürzter Vegetationszeit. Weine vergleichbar mit dem Jahrgang 2005.

2006 ... , ein weiterer herausragender Jahrgang, der mit der Tradition an der Ahr, - nur ungerade Jahrgänge werden Spitzenjahrgänge -, bricht. Ausgezeichnete Herbstbedingungen mit einem um 4 Wochen gegenüber dem Jahrgang 2003 längeren Vegetationsverlauf lieferten dichte und fruchtbetonte Weine.

2005 ... , ein guter Jahrgang, der etwas weichere Weine mit weniger Dichte als der 2004er hervorbrachte.

2004 ... , ein sehr guter Jahrgang, mit gesunder Säure und hohen Extraktstoffanteilen, die dichte und lagerfähige Weine ergaben.

2003 ... , ein in der Nachbetrachtung sehr guter Jahrgang. Der verkürzte Vegetationsverlauf mit geringen Säure- und Extraktwerten und hohen Mostgewichten ergab zum Teil alkohollastige Weine mit nicht immer vorteilhaftem Reifeverlauf.
Spätfröste im Mai, die die Erntemenge um ca. 30% reduzierten, ließen noch nicht die Qualität des Jahrgangs erkennen. Ein Jahrhundertsommer sorgte aber für einen ungewöhnlich frühen Lesebeginn. Ungewohnt für ein nördliches Weinanbaugebiet mussten die Winzer fast 4 Wochen früher mit der Traubenernte beginnen. Zu Beginn des eigentlichen Erntemonats Oktober war die Ernte weitestgehend abgeschlossen, und dies mit Mostgewichten, die selbst die Superjahrgänge 1976 und 2001 um fast 6° Öchsle im Durchschnitt überstiegen. Der Prädikatswein-Anteil bei Spätburgunder und Frühburgunder lag bei fast 100%, selbst beim Riesling über 80%.

2002 ... , ein Jahrgang, der qualitativ zwischen den Jahrgängen 1999 und 2000 lag, aber mit sehr guten Extraktwerten.

2001 ... , das neue Jahrtausend begann mit einem herausragendem Jahrgang. Eine Schönwetterperiode im Mai mit raschem Austrieb, eine zügige Blüte im Juni, eine warme und niederschlagsreiche Wachstumsperiode im Juli und ideale Bedingungen im August sorgten für einen Vegetationsvorsprung von bis zu zwei Wochen. Ein nasser und kalter September machte zwar diesen Vorsprung wieder zunichte, brachte aber die notwendige Bodenfeuchtigkeit nach dem trocknen Vormonat. Die kalten Temperaturen verhinderten Pilzerkrankungen und Fäulnis der Trauben. Die Trauben nutzten den wärmsten Oktober seit 1706 mit Temperaturen von über 25° C zur vollen Reife mit hohem Extraktanteil in einem selten so gesunden Zustand. 2001, ein Jahrgang mit einer optimalen physiologischen Reife der Trauben.

2000 ... , ein Jahrgang mit gringem Prädikatsweinanteil. Der Witterungsverlauf erforderte auf Grund von Fäulnisschäden eine selektierte Lese.

1999 ... , ein ebenfalls hervorzuhebender Jahrgang, der bis dahin wärmste September an der Ahr brachte gesundes und hochwertiges Lesegut in die Keller.

1997 ... , ein Jahrgang mit ähnlich hohen Mostgewichten der Spitzenjahrgänge der siebziger Jahre. Nach Spätfrösten im Mai, die zu erheblichen Mengeneinbußen (über 50%) führten, sorgten ein warmer Sommer und ein trockener Herbst für hohe Mostgewichte. 1997, der Spitzenjahrgang der neunziger Jahre.

Die Tendenz der neunziger Jahre zeigt eindeutig nach oben mit einer Qualitätsdichte zum Ende des Jahrzehnts. Nicht nur die klimatischen Bedingungen, sondern auch das steigende Qualitätsbewusstsein haben hierzu beigetragen.

Die achtziger Jahre sind geprägt von guten bis mittleren Jahrgängen und dem zweitschwächsten Jahrgang 1984.

Die siebziger Jahre boten eine hohe Dichte an guten, bis sehr guten Jahrgängen, mit dem herausragenden Jahrgang 1976, aber auch dem schwächsten Jahrgang 1972.

 

Anmerkung:

Die Bewertung der Jahrgänge kann bei einzelnen Weingütern durchaus auf Grund selektiver Lese und späterem Lesezeitpunkt von der Tabelle abweichen.

Die in Amerika angewandte Beurteilung der physiologischen Reife beinhaltet eine Bewertung der Färbung der Beerenhaut, der Elastizität des Fruchtfleisches, des Reifezustandes der Kerne und des Geschmacks der Beeren. Mittlerweile wenden immer mehr Winzer in Europa neben den Kriterien wie Messung der Zuckerkonzentration und des Säuregehaltes auch diese Reifekriterien an.